Lektüren

Gerade im Bereich der Übergangslektüre haben Lehrkräfte schon immer noch motivierenden Inhalten gesucht. Die kreativen Fähigkeiten der KI-Tools machen es möglich, dies in die Praxis umzusetzen. Eine Reihe solch kleiner Übergangslektüren ist geplant und soll eben dies aufzeigen. Die Anforderungen an eine Übergangslektüre bestehen in erster Linie darin, dass sie

a) leicht lesbar sein soll,
b) Gelegenheit zur Sicherung und Festigung von Wortschatz, Formenlehre und Grammatik bieten soll,
c) grundlegende Erfahrungen mit Interpretation (u. a. auch das Einüben der Stilmittel) und kreativer Vertiefung der Lektüre ermöglichen soll.

Eine solche Lektüre sollte idealerweise Lust machen auf mehr, also auch zeigen, wie spannend und interessant, persönlich betreffend (existenziell) und aktuell Lektüre im Lateinunterricht sein kann. Diese sollte gleichzeitig nach Möglichkeit eine Auseinandersetzung zwischen Antike und Gegenwart ermöglichen, also auch eine historische Bildung. Und sie sollte so illustriert sein, dass sie anregend ist und zu Diskussion und persönlicher Auseinandersetzung einlädt.
Da es in der Reihe KI-Bildung neben den sprachlichen Zielen immer auch um die "Medienkompetenz" (in Hinsicht auf die neuen KI-Tools) geht, vereinen die Hefte immer beide Ziele und wollen sie gewinnbringend miteinander verzahnen.

Am Beispiel des ersten geplanten Heftes über eine römische Mondkolonie, "Roma Lunaris", sollen die oben genannten Anforderungen kurz konkretisiert werden.

a) Leichte Lesbarkeit: Das dem Deutschen oder Englischen ähnlichere, eher unklassische Latein der KI-Tools kann - nach vorheriger Korrektur! - dennoch gut im Unterricht eingesetzt werden, da es für Schülerinnen und Schüler weitaus leichter zu übersetzen ist als die üblichen Texte. Es erleichtert also sowohl von der Syntax her als auch vom Wortschatz her den oft beschworenen "Lektüreschock". KI-Tools sind sehr kreativ darin, moderne Begriffe auf Latein zu generieren. Sie bilden analog zu lateinstämmigen Fremdwörtern im Englischen Neologismen, die sich jedoch unproblematisch in die Sätze einfügen, gut zu verstehen sind und oft ein witzige oder interessante Komponente beinhalten. Sie laden dazu ein, die lateinische Etymologie solcher Begriffe zu reflektieren und machen auf diese Weise unaufdringlich bewusst, wie wichtig das Lateinische als Sprachfundus für die romanischen Sprachen (ebenso das Deutsche und Englische) bis heute ist. Dass in einer solchen Übergangsphase noch kein reines und klassisches Latein gelesen wird, stört oder hemmt das Sprachbewusstsein auf Dauer nicht und sollte aus didaktischen Gründen zulässig sein. Ohnehin lesen immer weniger Schülerinnen und Schüler tatsächlich noch Oberstufenlektüre. Alles, was dazu motiviert, stärkt das Fach Latein und ist auf weite Sicht hin unverzichtbar.

b) Sicherung und Festigung von Grammatik und Wortschatz: Gerade die KI-Tools ermöglichen es, spezifische Inhalte (einen bestimmten Wortschatz oder spezifische Grammatikphänomene) exakt einzuarbeiten. Sie lassen sich darüber hinaus hervorragend für motivierende und anschauliche Übungen nutzen. Das didaktische Potenzial, das sich auf diese Weise eröffnet, ist noch kaum erschlossen. Die hier neu entstehenden Hefte sollen gerade dazu beitragen und die vielfältigen Möglichkeiten exemplarisch demonstrieren.

c) Anleitung grundlegender Interpreationsmethoden und kreativer Methoden: Auch Stilmittel lassen sich mittels KI gezielt einbauen. Es kann sogar ein bestimmter Stil eines spezifischen Autors nachgeahmt werden. Ebenso lassen sich alle weiteren Schritte der Interpretation und der kreativen Vertiefung durch KI-Tools anregen. Dabei geht es niemals darum, das eigene Denken oder die eigene Kreativität der Schülerinnen und Schüler zu ersetzen (die Gefahr ist natürlich vorhanden, aber sie war es schon immer!), sondern beides im Sinne eines Hilfsmittels zu unterstützen.

d) Historische Bildung: Gerade die Idee einer "römischen Mondkolonie" bewegt sich als Science Fiction nicht nur von der Antike weg, sondern führt auch zu ihr hin. Das Konzept der Kolonialisierung und der "dilatatio" des Imperiums sind urrömisches Gedankengut. Hinzu kommen die vielen modernen Begriffe der Raumfahrt, die überwiegend aus den Alten Sprachen gebildet sind. Deren Sprachgschichte und Bedeutunsverschiebung nachzugehen, ist ein sehr spannendes Unterfangen, das heutigen Schülerinnen und Schülern immer wieder überraschende "Aha-Erlebnisse" bietet. Nicht zuletzt kann durchgehend ein Vergleich zwischen historischem und archäologischem Wissen um die römische Antike und den Strukturen einer fiktiven römischen Mondkolonie gezogen werden (speziell die Architektur, die politische Organisation und die soziale Gesellschaftsverfassung im antiken Rom). Auf diese Weise erwerben die Schülerinnen und Schüler spielerisch und unaufdringlich wesentliche Kenntnisse gerade über das antike Rom und das Imperium Romanum.

Das Heft wird voraussichtlich 10,- € kosten und kann bereits vorbestellt werden.