Eigene Veröffentlichungen

 

Veröffentlichungen des Herausgebers zur antiken Literatur

und zu pädagogischen Themen

 

1. Henneböhl, Rudolf [zusammen mit Markus Pyka]: Was geschah in der Höhle? - Ein Beitrag zur Aufklärung eines antiken Liebesdramas (Aeneis IV 160-172), in: Anregung 2/1994, S. 89-91

2. Henneböhl, Rudolf: Ovids Daedalus und Ikarus - Der Vater-Sohn-Konflikt im Zeitraffer, in: Anregung 5/1994, S. 293-302 

3. Henneböhl, Rudolf: Römische Dichtung im Plastik-Zeitalter - Kreativität als Mittel der vertiefenden Interpretation, in: Auxilia 47, S. 86-103, Buchners-Verlag 2001

4. Henneböhl, Rudolf: Daphne, Narcissus, Pygmalion - Liebe im Spiegel von Leidenschaft und Illusion in Ovids Metamorphosen, Reihe: Antike und Gegenwart, Buchners-Verlag 2004

5.  Henneböhl, Rudolf: Daphne, Narcissus, Pygmalion - Lehrerkommentar, Reihe: Antike und Gegenwart, Buchners-Verlag 2004

6. Henneböhl, Rudolf: „Stumm vor Schmerz ist die Lyra”: Der Gesang des Orpheus und die Entstehung der Liebeselegie - zur Aussageabsicht des zehnten Buches der Metamorphosen Ovids, in: Gymnasium 4/2005, S. 345-374

7.  Henneböhl, Rudolf: „The good, the bad and the ugly“ - Lektürebegleitende Tagebücher zu „Amor und Psyche”, in: AU 4+5/2007, S. 60-71

8.  Henneböhl, Rudolf: Ut spectaculum poesis - Ovidische Dichtung und szenische Interpretation, in: AU 4/2009, S. 56-64

9. Henneböhl, Rudolf: Ovids Ars amatoria als Liebeslehre - eine Antwort, in: Mitteilungsblatt des DAV-NRW 1/2013, S. 5-16
[Der Aufsatz ist eine Antwort auf einen Artikel von Herrn Dr. A. Düllmann: "Europäische Ansichten eines Pensionärs zu Rudolf Henneböhls Vortrag 'Locker Lieben Lernen - Ovids Ars amatoria im Unterricht', in: Mitteilungsblatt DAV-NRW 2/2012, S. 43-47]

10. Henneböhl, Rudolf: Von den Wurzeln menschlichen Handelns - Ovid als Psychologe, in AU 4/5, 2013 ("Ovid"), S. 86-92

11. Henneböhl, Rudolf: testis abest somno, nec abest imitata voluptas - Byblis als Beispiel psychologischer Darstellung bei Ovid, in AU 4/5, 2013 ("Ovid"), S. 38-51

12. Henneböhl, Rudolf: adpositis queritur ieiunia mensis - Erysichthon als Beispiel existenzieller Darstellung bei Ovid, in AU 4/5, 2013 ("Ovid"), S. 52-58

 

 

Abstract zu Nr. 2: Ovids Daedalus und Ikarus (im Volltext auf dieser Homepage)

Friedrich Maier hat in Ovids Darstellung des Ikarus einen psychologischen Bruch beobachtet: ist Ikarus (wie im ersten Teil der Erzählung) unmündiges Kind und damit für seinen Übermut nicht verantwortlich, oder ist er (wie im zweiten Teil der Erzählung) als Jugendlicher anzusehen und damit selbstverantwortlich und schuldfähig? - Der Aufsatz will nachweisen, dass Ovid in der Metamorphosen-Fassung einen Vater-Sohn-Konflikt darstellt. Dieser Konflikt dient zur Begründung des tragischen Scheiterns des Ikarus. Er ermöglicht zugleich eine stimmige Antwort auf die umstrittene Frage, wie alt Ikarus gedacht werden muss und wie die Schuldfrage interpretiert werden kann.
Vor allem die zeitlichen Erzählaspekte zeigen die fast modern anmutende Erzähltechnik Ovids, der den Konflikt in einem Zeitsprung und gleichsam im Zeitraffer darstellt. Dädalus entwickelt sich vom übermächtigen Vater zum schwachen Greis, Ikarus dagegen vom unmündigen Kind zum aufbegehrenden, seine Freiheit suchenden Jugendlichen. Der Vater-Sohn-Konflikt realisiert sich also in einer gegenläufigen Entwicklung und führt zum tragischen Scheitern, das nicht etwa in einem Mangel der Technik begründet liegt (in der Konstruktion bzw. dem Funktionieren der Flügel), sondern in dem inneren Drama der Ablösung des Jugendlichen vom väterlichen Vorbild. Die Ablösung wird auch ermöglicht durch die Faszination der Technik und das Erlebnis der Macht, das der Flug mit sich bringt. Das Vogelgleichnis vor dem Abflug demonstriert in einer existenziellen Symbolik den Freiheitsdrang des Jugendlichen (das „Flüggewerden“), aber auch die Gefahren und Ängste, die für Eltern und Kinder damit verbunden sind.
Der Vergleich zur Fassung in der ars amatoria, die eine deutlich andere Erzählrichtung verfolgt,und Beobachtungen zum Kontext des achten Buches belegen diese Deutung.

 

Abstract zu Nr. 6: Der Gesang des Orpheus

Wie gehen Menschen und Götter mit dem Erlebnis von Liebe und Tod, Leidenschaft und Trauer um? Wie bewältigen sie - in je unterschiedlicher Weise - Erfahrungen von Schuld, Verlust, Einsamkeit und Angst? Dies sind existenzielle Fragen, die Ovid im zehnten Buch der Metamorphosen, dem Trauergesang des Orpheus, in eindringlicher Weise behandelt.
Doch die Aussageabsicht liegt nicht nur auf der existenziellen, sondern auch auf der poetischen bzw. poetologischen Ebene. In einer fiktiven Konstellation rekonstruiert Ovid die Erfindung von Epigramm und Elegie.Orpheus, Apollon und Venus entdecken auf Grund von Todeserfahrungen das Epigramm und die Elegie als Mittel zur Bewältigung von Trauer und Verlust. Sie werden damit zu Begründern und mythischen Patronen dieser beiden Gattungen. Intertextuelle Bezüge zur zehnten Ekloge Vergils (Gallus-Elegie) untermauern die poetologische Bedeutung des zehnten Buches.

 

Abstract zu Nr. 7: Tagebücher zu Amor und Psyche

In einem fiktiven Tagebuch reflektieren die Schülerinnen und Schüler die Erlebnisse Psyches und verleihen deren Gedanken und Gefühlen eigenen Ausdruck. Diese Form der kreativen Interpretation greift existenzielle und symbolische Elemente in der Erzählung auf, um die Interpretation zu vertiefen und die persönliche Auseinandersetzung mit dem Text zu intensivieren.

 

Abstract zu Nr. 8: Ovidische Dichtung und szenische Interpretation

Ovidische Dichtung ist deshalb für szenische Interpretation besonders geeignet, weil sie in sich szenische Elemente und szenische Erzähltechniken enthält, die teilweise sehr modern anmuten. Dies wird in einem ersten Teil (Sachanalyse) kernpunktartig aufgezeigt, jeweils im Vergleich zur Aufführung eines Bühnendramas.
In einem zweiten Teil (Anregungen für den Unterricht) werden verschiedene Möglichkeiten dargestellt, szenische Erzähltechniken Ovids in kreativer Form umzusetzen und dadurch bewusst zu machen.

 

Abstact zu Nr. 9: Ovids Ars amatoria als Liebeslehre

[Der Aufsatz ist eine Antwort auf einen Artikel von Herrn Dr. A. Düllmann: "Europäische Ansichten eines Pensionärs zu Rudolf Henneböhls Vortrag 'Locker Lieben Lernen - Ovids Ars amatoria im Unterricht', in: Mitteilungsblatt DAV-NRW 2/2012, S. 43-47. - Ein Abstract zu diesem Vortrag war im Mitteilungsblatt DAV-NRW 3/2011, S. 4-7 erschienen]
Die Diskussion mit Herrn Dr. Düllmann geht über den Begriff der "Liebe" in der (griechisch-lateinischen) Antike und um Möglichkeiten der Wertevermittlung bei der Lektüre der Ars amatoria (moralisch-ethische Erziehung anhand der Liebeslehre Ovids). In einem weiteren Sinne betreffen beide Fragen auch das Verständnis von Ovid als Dichter (tenerorum lusor amorum) und nach Sinn und Funktion der Altphilologie, die m. E. viel zu wenig auf existenzielle Belange eingeht und so Ihrer Aufgabe als Vermittlerin einer humanistischen Bildung in Auseinandersetzung mit der Gegenwart zu wenig gerecht wird.

 

Abstract zu Nr. 10: Ovid als Psychologe

Ovid, der so lange als rein oberflächlicher Bonvivant und als Dichter l‘art pour l‘art galt, ist einer der feinsinnigsten und tiefsinnigsten Erzähler. Ihre besondere Dramatik erhalten seine mythologischen Erzählungen durch die Beachtung der Innenperspektive. Indem Ovid die Motive des Handelns im Inneren der Seele ergründet und offenlegt, gelingt es ihm immer wieder, menschliches Handeln, vielfach auch Fehlhandlungen, plausibel zu begründen. Darin folgt er den Vorgaben der attischen Tragödie (vor allem Euripides).
Eng verbunden ist der psychologische Aspekt mit dem anthropologischen und dem existenziellen Aspekt. Gerade die großen Erzählungen erklären nicht nur die Wirkungsmechanismen der menschlichen Seele, sondern sie werden zu Metaphern dessen, was der Mensch an sich ist, gewinnen also eine anthropologische und philosophische Bedeutung.
Sowohl psychologische als auch existenzielle Aspekte sind für den Unterricht ungemein fruchtbar und anregend und tragen zu einer humanistischen, auf die Entwicklung der ganzen Persönlichkeit abzielenden Bildung bei (im heutigen Fachjargon: zur Ausbildung personaler und sozialer Kompetenz).
Der Aufsatz zeigt den psychologischen Blickwinkel, aus dem heraus Ovid den Mythos durchdenkt und der seine Erzählweise und seine Darstellungsart prägt, und gibt anhand konkreter Beispiele Anregungen für die Umsetzung psychologischer und existenzieller Aspekte im Unterricht.
[Der Unterschied zwischen einer psychologischen und einer existenziellen Darstellungsrichtung wird anhand der beiden anderen Beiträge in AU 4/5, 2013 zu Byblis und Erysichthon verdeutlicht.]

 

Abstract zu Nr. 11: Byblis als Beispiel psychologischer Darstellung bei Ovid

Der Fokus dieses Aufsatzes liegt auf der psychologischen Darstellung. Für den Unterricht werden exemplarisch die Verse 454-521 herausgegriffen, in denen Byblis’ Liebe erwacht und stärker wird, bis sie sich entschließt, ihrem Bruder in einem Brief ihre Liebe zu gestehen. Indem die Schüler Freuds „psychischen Apparat“ als Deutungshilfe nehmen, können sie während der Lektüre auf dem Textblatt jeweils die drei Seelenteile zuordnen und so den inneren Konflikt zwischen Es und Über-Ich, in dem das Ich sich positionieren muss, verfolgen.
Anhand des Sachfeldes „Liebe und Leidenschaft“ können sie beobachten, wie die Triebenergie des Es den Triebwunsch immer deutlicher bewusst werden lässt und sich schließlich gegen alle Hemmungen und moralischen Bedenken durchsetzt. Das spannende Drama, das sich in der Seele der Byblis abspielt, kann auf diese Weise textnah mitverfolgt werden. Die abschließende Interpretation (in Partner- oder Gruppenarbeit, auch als Hausaufgabe) macht den Schülern deutlich, welche modernen psychologischen Begriffe und Einsichten implizit bei Ovid schon mit bedacht werden. Es wird deutlich, dass Ovid dem Leser einen Einblick in die komplexe Gefühlswelt der Byblis vermittelt und exemplarisch aufzeigt, wie ein Mensch in einer Konfliktsituation zu einer schwierigen Entscheidung kommt.

 

Abstract zu Nr. 12: Erysichthon als Beispiel existenzieller Darstellung bei Ovid

Im Gegensatz zum Psychologischen, wo es um die inneren Motive menschlichen Handelns und Verhaltens geht, richtet sich das Existenzielle mehr auf die grundsätzliche Lebenssituation des Menschen und stellt die Frage, wie der Mensch lebt (vgl. die Existenzphilosophie im 20. Jh.). Viele der Erzählungen in den Metamorphosen werden auf diese Weise zu Metaphern dessen, was der Mensch an sich ist, und gewinnen eine anthropologische und philosophische Bedeutung. Dazu gehören Aspekte wie die Sterblichkeit des Menschen und seine Sehnsucht nach Verewigung, seine Triebgebundenheit und die Suche nach Freiheit, die prinzipielle Angstbehaftetheit (existenzielle Angst) und der Versuch der Sicherung der Existenz, die ambivalente Stellung des Menschen zwischen Tier und Gott und seine Suche nach Erfüllung und bleibendem Glück.
Erysichthon ist eine der vielen fast merkwürdig „modernen“ Erzählungen Ovids: die Geschichte vom Ende eines Frevlers, die zur Allegorie der menschlichen Unersättlichkeit, Habsucht und Gier wird - ein Spiegel des heutigen Konsumverhaltens und der Ausbeutung von Ressourcen: "trotz gedeckten Tisches klagt er über Hunger und noch während des Essens sucht er nach Essen" (V. 831 f.), "Je mehr er sich den Bauch vollstopft, um so gieriger wird er" (V. 834) und "je mehr er bekommt, umso mehr fordert er" (V. 838 f.).
Ein solch irrationales und paradoxes Verhalten ist eine Folge der Selbstsucht des Erysichthon, die sich anderen gegenüber in rücksichtsloser Gewalt äußert. Sie wurzelt in einer Angst um das eigene Wohlergehen (Egoismus) und vor allem in einer existenziellen Verlustangst, wie sie sich auch in den heutigen Krisen zeigt (Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Umweltkrise).